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Bulgarien, Brahms und Poesie

MÜNCHEN – Wiedersehen macht Freude. Umso mehr, wenn es dabei um einen guten Zweck geht: Anfang Februar haben sich rund 45 Mitglieder des BDS-Freundeskreises zur inzwischen legendären Linsensuppenparty in der Münchner Wohnung eines Mitglieds getroffen. Monika Heitmann, Projektleiterin des BDS, informierte die interessierten Gäste über Neues aus der Mobilen Arbeit in Varna und beantwortete Fragen. Musikalische und lyrische Darbietungen rundeten den Abend ab.

Weil Roma-Kinder in der Schule auch heute noch als „schmutzige Zigeuner“ beschimpft werden, lassen ihre Eltern sie oft gar nicht erst hingehen“, beschrieb Monika Heitmann die andauernde Diskriminierung von Roma in Bulgarien. Und Ulrich Kuhn, Vorsitzender des Freundeskreises des BDS, erklärte: „Wir unterstützen die Menschen vor Ort so, dass sie aus ihrer prekären Situation herauskommen und sich in die Gesellschaft integrieren können.“ In den vergangenen 15 Jahren hat das BDS in Partnerschaft mit dem Verein Sauchastie laut Heitmann im Jahr 2017 450 Kinder, Jugendliche und ihre Familien durch 18 Honorar- und 24 ehrenamtliche Kräften begleitet. „Die konkrete Arbeit vor Ort und sichtbare Erfolge haben einen Leuchtturmeffekt. So werden die Roma selbst sichtbar“, sagte Heitmann. Die Mitglieder des Freundeskreises sind überzeugt vom Schaffen und Wirken des BDS in Bulgarien. Auf der aktuellen Party, zu der Dr. Annemarie Hofmeister-Höfner, Vorstandsmitglied des Freundeskreises, in ihre Münchner Wohnung geladen hatte, spendeten sie insgesamt 1290 Euro.

Beisammensein mit Humor und Tiefgang

Die meisten Gäste kennen sich schon lange: Viele aus dem Bibelkreis, dem auch Jakob Bichler, Mitinitiator des BDS und ehemaliger Vorsitzender von BDS und Freundeskreis angehörte. Vor 20 Jahren lud er gemeinsam mit Gastgeberin Hildegard Krauss zum ersten Linsensuppenessen ein, um Bekannten und Freunden von den sozialen Notlagen in Bulgarien, die ihm auf einer Urlaubs-Reise aufgefallen waren, zu berichten. Seitdem treffen sich die Mitglieder immer wieder in dieser Form, zuletzt im zweijährigen Turnus. Und immer gibt es Linsensuppe, in diesem Jahr eine indische und eine bayrische Variante, dazu bulgarischen Wein. Nach den Berichten aus Bulgarien, weiterführenden Gesprächen zum Thema und persönlichem Austausch begeisterten Felizitas Kreutzer und Richard Brandl mit der Sonate in Es-Dur Op. 120 für Violine und Klavier von Johannes Brahms. Im lyrischen Teil des Abends brachten Ulrike Brandl und Michael Gummer die Zuhörerinnen und Zuhörer mit eigenen Gedichten abwechselnd zum Schmunzeln, Lachen und Nachdenken und ließen den Abend so in heiterer Stimmung ausklingen.

Impressionen von der Linsensuppenparty

 

Drei Fragen an einen Gast der Linsensuppenparty

Warum sind Sie hier, Herr Prof. Rückl?

Reinhold Rückl, Professor der Physik, ist bester Laune. Zur Linsensuppenparty ist er mit seiner Frau extra aus Würzburg nach München gekommen.

Warum sind Sie heute Abend hier, Herr Prof. Rückl?

Prof. Reinhold Rückl: Ich bin hier als langjähriges Mitglied und Kurator des Freundeskreis und weil ich viele Gäste persönlich kenne. Insbesondere mit Jakob Bichler, dem Mitinitiator des BDS und des Freundeskreises, und mit der Gastgeberin, Frau Dr. Hofmeister-Höfner, bin ich seit meinem Studium befreundet. Jakobs Idee, den Menschen vor Ort zu helfen, hat mich überzeugt und motiviert, die Ziele des Freundeskreises zu unterstützen.

Wie unterstützten und unterstützen Sie das BDS als Freundeskreis-Kurator?

Prof. Reinhold Rückl: Wie alle Mitglieder durch Spenden und, wie ich hoffe, mit meinem Namen. Bei der Gründung des Freundeskreises des BDS wurde ein Kuratorium von Persönlichkeiten berufen, die die Projekte beratend begleiten und die Mittelbeschaffung in der Öffentlichkeit und durch Kontakte fördern. Ich bin damals der Bitte von Jakob Bichler gerne gefolgt und bis heute Mitglied des Freundeskreises. Verbindung halte ich durch Zusammenkünfte wie das von heute Abend und durch den Rundbrief als wertvolle Informationsquelle.

Wie hat sich die Arbeit des BDS Ihren Beobachtungen zufolge entwickelt?

Prof. Reinhold Rückl: Staatliche und kirchliche Hilfsprojekte für notleidende Menschen in Bulgarien waren und sind vielleicht immer noch eher sporadischer Natur. Das BDS ist dabei, diese Lücke im besonders schwierigen Umfeld der Roma in kleinen Schritten zu schließen. Neben der karitativen Hilfe stimmen mich vor allem die Bildungsprojekte positiv. Ich halte es für sehr vielversprechend, den jungen Menschen vor Ort Bildungsmöglichkeiten und Erfolgserlebnisse zu eröffnen und dann durch sie auch die Integration der älteren Generation in die Gesellschaft voranzubringen.

Benachteiligte Kinder und Jugendliche nachhaltig fördernmehr »

LIEBENAU - Im Rahmen ihres Programms Perspektive Donau: Bildung, Kultur und Zivilgesellschaft stellt die Baden-Württemberg Stiftung gGmbH (BW-Stiftung) dem Bulgarisch-Deutschen Sozialwerk e. V. (BDS) und dem Kinderzentrum Roncalli e. V. Fördermittel in Höhe von 45.000 Euro zur Verfügung. Im Laufe von zwei Jahren sollen Therapieangebot und Lernsituation in den bulgarischen Kinderzentren in Kitschevo (BDS) und Burgas (Roncalli)verbessert sowie die soziale Integration gefördert werden. Seit September profitieren die Kinder und Jugendlichen von den bereits umgesetzten nachhaltigen Maßnahmen auch ganz direkt.


Gemeinsam mit Fachkräften der Stiftung Liebenau, die Mitglied des BDS und des Kinderzentrums Roncalli ist, haben die Verantwortlichen der Kinderzentren ihr bisheriges Therapieangebot konzeptionell diskutiert. Bereits Anfang Oktober haben in Kitschevo neue Tanz- und Kunsttherapie für zwölf Kinder und Jugendliche begonnen. „Die Kinder und Jugendlichen tanzen mit viel Vergnügen“, berichtet Margarita Dragneva, Leiterin der Institutionen des BDS und Roncalli vor Ort. „Wir beobachten, dass einige ihre Aggressionen abbauen können; ein Auftritt vor den Eltern und weiteren Gästen hat das Selbstbewusstsein aller gestärkt.“ Seit Projektstart können nun auch die Jugendlichen psychologisch betreut werden, nachdem das Budget bisher nur für die Kinder reichte. Des Weiteren wird die Arbeit mit den Eltern weiter ausgebaut: Durch gemeinsame Feste lassen sich die innerfamiliären Beziehungen stärken, in Mütterkursen und Gesprächen fühlen sich die Eltern aufgehoben und informiert – und sind eher bereit, sich selbst im Kinderzentrum zu engagieren.

Bessere Bildung
In enger Zusammenarbeit mit Fachkräften der Stiftung Liebenau wurde auch das Bildungsangebot überarbeitet: Künftig werden die Grundschüler besser auf das Gymnasium vorbereitet, die älteren Schüler erhalten zusätzliche Sprachkurse in deutscher und englischer Sprache. Investiert wird außerdem in Bildungsausflüge: Neue Eindrücke haben die Kinder und Jugendlichen des Kinderzentrums in Kitschevo zum Beispiel bei einem Theaterbesuch in Varna gewonnen. „Viele waren zum ersten Mal in der größeren Stadt am Schwarzen Meer, die doch so nah ist, und haben über vieles gestaunt“, berichtet Margarita Dragneva.

Kompetenter betreuen
Um die Qualität der Betreuungsarbeit vor Ort zu verbessern, bildet die Stiftung Liebenau bis Ende August nächsten Jahres fünf bulgarische Fach- und Führungskräfte in Deutschland weiter. Die Fortbildungen sollen sie befähigen, neue passgenauere Konzepte und Methoden in den bulgarischen Kinderzentren anzuwenden und an ihre Mitarbeiter weiterzugeben. „Durch die innovativeren Angebote und die höhere Qualifizierung treten die Mitarbeiter auch nach außen professioneller auf“, prognostiziert Axel Sans, Vorstand des BDS. „So hat unsere zivilgesellschaftliche Organisation vor Ort auch einen besseren Stand gegenüber öffentlichen Einrichtungen und politischen Mandatsträgern.“

 

BW-Stiftung
Programm „Perspektive Donau: Bildung, Kultur, Zivilgesellschaft“

Mit dem Programm „Perspektive Donau: Bildung, Kultur und Zivilgesellschaft“ fördert die BW-Stiftung nachhaltige Projekte im Donauraum. Eingebettet in die EU-Donauraumstrategie sorgt das Programm für den Austausch von Wissen zwischen den verschiedenen Projekten im Donauraum und trägt zur Völkerverständigung und dem Aufbau einer tragfähigen Zivilgesellschaft bei.

BDS
Gefördert: Kinderzentrum in Kitschevo

Im Kinderzentrum „Glaube, Hoffnung und Liebe“ in Kitschevo leben insgesamt rund 75 Kinder und Jugendliche von vier bis 18 Jahren. Sie stammen aus Varna und den umliegenden, hauptsächlich von Roma bewohnten Dörfern. Die meisten Kinder sind im Vorschulalter und gehen in den Kindergarten. Rund 15 Schüler leben im Internat des Kinderzentrums und kehren am Wochenende in ihre Familien zurück. Weitere 15 Schüler leben dauernd im Kinderzentrum wie in einer Familie.

Roncalli
Gefördert: Kinderzentrum in Burgas

Das Kinderzentrum Roncalli in Burgas beherbergt rund 15 junge Menschen im Alter von acht bis 18 Jahren, einige davon mit geistiger Behinderung.

 

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Pressekontakt:
Stiftung Liebenau
Abteilung Kommunikation und Marketing
Vera Ruppert, Pressearbeit
Siggenweilerstr. 11
88074 Meckenbeuren
Telefon 07542 10-1181
vera.ruppert@stiftung-liebenau.de