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Über das Land
  • Republik Bulgarien (Republika Balgarija)
    Hauptstadt: Sofia, 1,2 Mio Einwohner (Stand: Dez. 2006)

  • Bevölkerung
    7,7 Mio. Einwohner (Stand: 2006); ca. 69,93 Personen/ km².
    Ethnische Gruppen: 83,9 % Bulgaren, 9,4 % Türken, 4,7 % Roma, 2 % Russen, Armenier u. a.; Bevölkerungszahl rückläufig

  • Nationalfeiertag
    3. März, Tag der Befreiung von der türkischen Herrschaft (1878, Friede von San Stefano)

  • Religionen / Kirchen
    ca. 6,8 Mio. bulgarisch-orthodox, ca. 790.000 muslimisch, ca. 50.000 katholisch, ca. 20.000 protestantisch, ca. 5.000 jüdisch (Stand: Dezember 2003)

  • Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf
    Luxemburg 280,6 Schweiz 132,3 Deutschland 112,5, Rumänien 41,5 Bulgarien 39,1 (EU-Durchschnitt = Index 100, entspricht dem durchschnittlichen BIP der 27 EU-Länder). Quelle: Eurostat

  • Hl. Andreas
    Das Sozialwerk trägt den Beinamen des Apostels Andreas - der Legende nach Gründer der Diözese Varna und in der gesamten Ostkirche ein hochverehrter Heiliger. In der Bibel ist er der Bruder des Petrus.Der Beiname signalisiert den christlich-kirchlichen und ökumenischen Charakter der sozialen Arbeit in Bulgarien, die von deutschen Stiftungen mit römisch-katholischem Selbstverständnis und einer bulgarisch-orthodoxen Metropolie getragen wird.

  • Zigeuner, bulg. Zigani
    Im Balkan-Raum sind sie seit dem 12. Jh. sicher nachweisbar. Sprache ist Romani oder ein Dialekt, der seinen Ursprung in der Walachei zur Habsburger Zeit oder in Landessprachen um das Schwarze Meer hat. In Kitschevo sprechen die Kinder aus den Dörfern oft Kopanarski, einen rumänischen Dialekt aus der Gruppe der Holzschüsselschnitzer. Ihre Religion ist meistens die orthodoxe, die sich aber mit anderen und eigenen Festen, Riten und Bräuchen vermischt.

Zigeuner in Bulgarien

Zigeuner in Bulgarien

Kopanari-Kind
Kopanari-Kind

Wer sind diese Menschen, woher kommen sie, was ist ihre Sprache, was ihre Kultur und Religion?

Die wirtschaftliche Abhängigkeit der Zigeuner von der Mehrheitsbevölkerung hat im Lauf der Zeit zu einer Differenzierung nach Berufen geführt. In einigen Balkangegenden, auch in Bulgarien, leben u.a. Kopanari, das sind die Holzschüsselmacher. Als solche verstehen sich die meisten Familien der Kinder, die im Kinderzentrum von Kitschevo leben.

Kopanarski - die Sprache

Ihre Sprache ist Kopanarski, ein rumänischer Dialekt – außer dem Romani mit der indischen Sprachwurzel u.a. eine der Zigeunersprachen am Schwarzen Meer. Viele sind Analphabeten und haben keinen Schulabschluss.

Nischenwirtschaft hat in Einzelfällen zu Reichtum verholfen – das Knüpfen von stählernen Schiffstauen ist dafür ein Beispiel, vor allem aber ist sie Überlebensstrategie: Das Herstellen und Reparieren von einfachen Geräten, die saisonale Mithilfe in der Landwirtschaft, die musikalische Unterhaltung, die Vorführung abgerichteter Tiere, das Wahrsagen durch Frauen. Hellseherische Fähigkeiten und Musik sind auch in der freien Marktwirtschaft gefragt, die Kunststücke von Bären und Affen inzwischen weitgehend unterbunden, Kesselflicken wird kaum mehr, Altmaterialverwertung dagegen zunehmend nachgefragt.

Bei Unterversorgung der Mehrheitsbevölkerung ließen sich Produkte verkaufen, die seit der Wende nicht mehr konkurrenzfähig sind. In dieser Lücke und in einer nicht mehr sozialistisch geregelten Gesellschaft haben sich manche Talente entfaltet, zu oft aber Arbeitslosigkeit, Alkoholismus und Straffälligkeit entwickelt.

Religion

Orthodox (Dasikane) oder muslimisch (Chorochane) sind die religiösen Hauptrichtungen, aber in der Praxis keine strengen Alternativen. Sie vermischen sich und beziehen zudem Schicksalsgöttinnen und Naturgeister mit ein. Religion ist weniger Bekenntnis als vor allem Ritus und Festkalender. Dabei wird ein Teil der Feste wie überall gefeiert, etwa Ostern oder die beiden Bajrame der Muslime, auch das sozialistische Fest der Frau.

Ein anderer Teil wird strikt nach dem alten julianischen Kalender datiert, also 13 Tage später: So wird Neujahr in der Süddobrudsha (nördlich von Varna) bei den muslimischen Zigeunern mit dem Hl. Basilius als "Lahmer Wasil" verknüpft und am 14. Januar begangen.

Die nomadisierenden Zigeuner pflegen eine andere Festtradition als die sesshaften. Ersteren ist z.B. Mariä Himmelfahrt für Versammlungen und Hochzeiten wichtig, letzteren der Georgs- und der Dimitartag im Frühjahr bzw. im Herbst, weil sie das Jahr strukturieren und lokal unterschiedliche, aber besonders markante Opfer-, Speise- und Totenrituale haben.

Wenn die Statistik stimmt, sind derzeit 70% der Neugeborenen in Bulgarien Zigeunerkinder, der Roma-Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt laut Volkszählung 2007 bei 4,6 %.

Dieser kurze Einblick in die zunächst fremde Welt der Zigeuner vermittelt vielleicht auch einen Eindruck von der Herausforderung, der sich das Sozialwerk bei der gemeinsamen Erziehung von Kindern aus diesen und aus bulgarischen Familien stellt: Die Hälfte der Kinder in Kitschevo kommt aus dieser Welt, einige von ihnen auch aus Ljuben Karavelovo.

Aktuelles:

Neuer Vorstand nimmt Arbeit auf

In neuer Zusammensetzung traf sich der Vorstand des Freundeskreises des Bulgarisch-Deutschen...


Freundeskreis - Rundbrief 2011

Bilder von damals und heute – Sie markieren eine Wegstrecke und die Richtung

Einige Bilder von...



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